Tipps gegen Langeweile für ein erfüllteres Leben

Zu keiner Zeit waren Freizeitaktivitäten und berufliche Möglichkeiten so vielseitig wie heute. Jede Minute des Tages ist damit ausgefüllt. Und doch verspüren immer mehr Menschen ein Gefühl, das uns staunen lässt, das Gefühl der Langeweile. Dazu müssen wir verstehen, dass Langeweile nicht der zeitweise Zustand ist, den wir als Kinder kannten, wenn wir mal keinen Freund zum Spielen hatten oder nicht wussten, was wir mit uns anfangen sollten. Diese Phasen kennt jeder und sie gehören zum Leben dazu. Aber echte Langeweile ist mehr als das, ein komplexer Vorgang im Gehirn. Sie stellt uns vor große psychische Herausforderungen und kann Menschen vollkommen aus der Bahn werfen. Gehörst du auch dazu? Dann musst du verstehen, was echte Langeweile wirklich bedeutet und dich fragen ‚Was tun gegen Langeweile?‘.

 

DREI FORMEN DER LANGEWEILE UND WIE WIR IN DIESEN ZUSTAND KOMMEN

 

Form 1: Langeweile bei uninteressanter Tätigkeit

 

Langeweile wird von den meisten mit Nichtstun verwechselt, ein Missverständnis, dem viele Menschen unterliegen. Echte Langeweile quält uns und diese entsteht, wenn wir das Falsche tun oder zu Aktivitäten aufgefordert sind, die für uns selbst bedeutungslos sind. Damit ist, wie es bereits der Psychologe John Eastwood passend definiert hat, die Langeweile der Wunsch nach einer uns ausfüllenden Tätigkeit. Gehst du einer Tätigkeit nach, die für dich selbst uninteressant ist, fehlt der äußere Reiz, sich auf die Sache zu konzentrieren. Besonders häufig lässt sich dieser Fakt in Konferenzen, Vorträgen und Besprechungen beobachten. Einer redet, die meisten Teilnehmer schauen gelangweilt, kritzeln auf einem Blatt Papier oder verfallen sogar in den Schlaf. Kennst du diese Momente? Dann kennst du eine Ursache der Langeweile.

 

Form 2: Langeweile trotz Aktivität

 

Die Küche muss aufgeräumt werden, das Protokoll zu einer Besprechung steht noch aus und zuhause warten die Kinder, die Hilfe bei den Hausaufgaben benötigen oder spielen möchten. Du bist eine echte Leseratte, hast eine kleine Bibliothek zuhause und der Freund wartet auf den gemeinsamen Gang zum Sport. Deine Lieblingsmusik lädt zum Streamen ein, und der Einkaufsbummel mit deinen Lieben hat seit Tagen einen festen Platz in deinem Terminkalender. Trotzdem ist dir langweilig. Diese Form der Langeweile, genau wie alle anderen, bedeutet für dich und dein Gehirn puren Stress. Du sitzt im Sessel, starrst an die Decke und überlegst dir insgeheim, wie du dein Leben verändern könntest. Kommen dabei brauchbare Ideen heraus, kannst du dieser Form der Langeweile möglicherweise etwas Positives abgewinnen. Daher kann einfach nur dasitzen und die Gedanken schweifen lassen durchaus sinnstiftende Effekte mit sich bringen, weil unser Gehirn Zeit findet, sich zu ordnen. Tipps gegen Langeweile können dir helfen, aus diesem, hoffentlich vorübergehenden, Zustand einen positiven Nutzen für dich herauszuholen.

 

Form 3: Tödliche Langeweile

 

Für den Gesundheitszustand von Menschen, die sich langweilen, ist maßgeblich, ob dies nur ein vorübergehender Zustand oder eine dauerhafte Leere ist, die in uns wütet. Wenn du dich von Zeit zu Zeit langweilst, ist dieser Zustand zunächst unbedenklich. Doch wissen Menschen über einen längeren Zeitraum nichts mit sich anzufangen, entsteht eine Form der Trägheit, die schwer krank machen kann. Daher ist die Wortkombination zu Tode gelangweilt durchaus ernst zu nehmen. Studien haben bewiesen, dass Menschen, die sich häufig oder dauerhaft langweilen, einem hohen Risiko ausgesetzt sind, früher zu sterben als ihre gleichaltrigen Zeitgenossen, die ein rundum erfülltes Leben führen. Bei ‚Dauergelangweilten‘ ist der Herzinfarkt in jüngeren Jahren häufige Todesursache. Gehe daher aktiv gegen deine Langeweile an, packe sie bereits an der Wurzel. Frage dich, bis du eine dich erfüllende Beschäftigung gefunden hast, ‚Was tun gegen Langeweile?‘. Zur Beruhigung: meistens geht diese unbefriedigende Phase schnell vorbei und du spürst wieder Freude am Leben.

 

WELCHE GEFÜHLE LANGEWEILE HERVORRUFT

 

Wir haben tolle Freunde, ein herzliches Verhältnis zur Familie und gehen in Vereine. Ungeachtet dessen keimt in uns, wenn wir uns langweilen, das Gefühl von Leere, Verlassenheit und Nutzlosigkeit für andere auf. Wir empfinden verstärkt den Reiz der Sinnlosigkeit. Fragen geistern durch unser Gehirn: warum mache ich diesen Job?; ist XY wirklich ein guter Freund?; warum gehe ich zum Joggen, obwohl ich keine Lust dazu habe?. Im schlimmsten Fall fragen wir uns, wozu bin ich überhaupt da. Tauchen diese Gefühle bei dir auf, ist eine Grenze erreicht, an der du unbedingt gegensteuern solltest, um nicht in ein tiefes Loch zu fallen. Spreche mit Freunden und Familie über deine Gefühle oder vertraue dich einem Fachmann an, zum Beispiel einem Psychologen.

 

WENN LANGEWEILE GEFÄHRLICH WIRD

 

Langeweile ist zunächst ein inneres Gefühl, welches jeder Mensch individuell erlebt und verarbeiten muss. Daher gibt es kein Patentrezept gegen Langeweile. Fakt ist dagegen, dass dieses oftmals lähmende Gefühl der Leere häufig zu problematischen Verhaltensweisen führt. Vier der wichtigsten Problemfaktoren im Detail:

  • falsches Essverhalten
  • gesteigerte Aggressivität
  • kriminelles Verhalten
  • depressive Phasen

Langeweile fördert nicht nur Problemverhalten, sondern kann dich in tiefe Depressionen stürzen. Während einer Studie mit Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren, die unter Freizeit-Langeweile oder Perspektivlosigkeit leiden, wurden depressive Symptome sichtbar. Auch ungesundes Essverhalten kann die Folge der Langeweile sein. Fast schon als Paradebeispiel halten dicke Kinder her, die Chips-essend und gelangweilt vor dem Fernseher sitzen, anstatt im Familienkreis gesunde Mahlzeiten bei anregenden Gesprächen zu sich zu nehmen. Auch Schokolade wird oft zum Seelentröster. Dagegen ist in kurzen Phasen nichts einzuwenden. Schlimm wird es, wenn aus Langeweile zu viel Alkohol getrunken wird, was nicht selten der Fall ist. Spätestens dann ist es Zeit für eine Veränderung.

 

Gesteigerte Aggressivität ist in vielen Fällen das negative Ergebnis von zu viel Langeweile. Menschen verprügeln ihre Mitmenschen aus Langeweile, weil ihnen gerade danach ist. Sie sind möglicherweise neidisch auf ihre Mitbürger und leben nach dem Motto, ‚wenn mein Leben langweilig und ohne Perspektive ist, warum sollen andere es dann besser haben‘.

 

Auch kriminelles Verhalten, wie Diebstahl, lässt sich oft als Folgeerscheinung der Langeweile ausmachen. Schließlich ist es Fakt und konnte besonders häufig in England beobachtet werden, dass gerade Jugendliche, die alles haben und aus wohlhabenden Familien stammen, stehlen oder andere Personen mobben. Das kann daraus resultieren, dass die gelangweilten Schüler oder Studenten im Alltag zu wenig beansprucht sind oder sich gar nutzlos fühlen. Sie brauchen dann als Ersatz einen gewissen Kick, der jedoch nicht nachahmenswert ist.

 

DER GEMEINSAME NENNER DER LANGEWEILE

 

Die Psychologie sucht beständig nach Antworten zu diesem unangenehmen Gefühl der Bedeutungslosigkeit. Welche Personengruppen sind am anfälligsten? Bei wem keimt Langeweile am schnellsten auf? Fest steht, wer Schwierigkeiten damit hat, sich auf eine Sache zu konzentrieren, der langweilt sich schneller. Wer konzentriert zuhört oder zuschaut, kann auch aus dem langweiligsten Vortrag oder Film positive Aspekte herausfiltern.

 

Besonders anfällig für den Langeweile-Modus sind Betroffene von ADHS, bekannt als Hyperaktivitätssyndrom oder auch Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Auch Abenteuerlustige, die ständig den ultimativen Kick suchen wie Bungee-Jumping, Extremklettern oder Bergsteiger, fühlen sich schnell gelangweilt. Wie eine Droge brauchen sie immer mehr Abenteuer. Wenn der Kilimandscharo (der echte und der Berg der aktiven Möglichkeiten) nicht mehr reicht, hilft es, zur Besinnung zu kommen und in sich zu gehen.

 

Langeweile muss der Mensch auch mal aushalten können. Als Gegenbeispiele zu den Aktivitäts-Junkies gibt es Menschen, die sich wochenlang zuhause mit einem Buch beschäftigen und darin so richtig aufgehen. Sie lesen zwischen den Zeilen, versuchen den Autor zu verstehen und legen das Buch abschließend zufrieden zur Seite. Diese Menschen sind der Inbegriff der ‚Konzentration‘. Damit liegt ihnen die Welt als Schlaraffenland zu Füßen. Sie haben das einfache Geheimrezept gegen Langeweile verstanden: die Aufmerksamkeit auf eine einzige Sache zu richten.

 

DER RICHTIGE UMGANG MIT DER LANGEWEILE

 

Langeweile auszuhalten ist nicht leicht. Doch wer es schafft, gekonnt mit diesem Negativ-Gefühl umzugehen geht gestärkt daraus hervor. Keimt Nervosität auf, weil sich mal etwas Langeweile ins Leben schleicht, dürfen wir uns ruhig ablenken, Tagträume träumen oder auch mal meditieren, um zur inneren Mitte zu finden. Langeweile durch sinnlose Aktivitäten zu bekämpfen, wäre dagegen der falsche Weg.

 

Vielmehr müssen wir unsere Fähigkeiten stärken, die das leere Gefühl der Langeweile gar nicht erst aufkommen lassen. Eine entscheidende Rolle dabei spielt das Stärken der Konzentrationsfähigkeit, was sehr gut durch Achtsamkeitsübungen gelingen kann. Am einfachsten funktioniert das durch Lesen eines Artikels oder Buches vom Anfang bis zum Ende. Auch einen Film vom Anfang bis zum Ende zu schauen, egal wie langweilig dieser ist, schärft die Sinne. Selbst so eine langweilige Aufgabe wie Kartoffelschälen, wird zu einer erfüllenden Beschäftigung, wenn wir uns darauf besinnen, was uns die Natur alles zu bieten hat und welche tollen Gerichte wir daraus zaubern können. Dies waren nur wenige Beispiele für aktives Leben gegen Langeweile. Gehst du so bei all deinen Tätigkeiten vor, weißt du schon bald nicht mehr, warum es dir langweilig war.

 

Eine weitere Möglichkeit, die Konzentration zu verbessern, ist das Zuhören. Konzentriere dich auf das, was deine Mitmenschen zu erzählen haben. Versetze dich emotional in sie hinein und gehe auf ihre Themen ein. Frage nach. Schon merkst du sehr schnell, dass selbst der in deinen Augen bedeutungsloseste Mitbürger ‚Spannendes‘ zu berichten hat. Emotionen spielen eine tragende Rolle, damit dein Leben nicht langweilig wird. In Fachkreisen wird dieses Phänomen als emotionale Intelligenz bezeichnet. Das Einschätzen der eigenen Emotionen ist dabei ebenso wichtig, da diese uns wie ein Kompass durchs Leben führen. Beobachtest du deine Emotionen genau, findest du schneller zu einer zufriedenstellenden Tätigkeit. Wer seine eigenen Emotionen ignoriert, rutscht sehr schnell in die Opferrolle des gelangweilten Dauernörglers.

 

FAZIT

 

Du hast das Wissen, wie unangenehm Langeweile dein Leben beeinträchtigen kann. Wenn du den vorausgestellten Tipps gegen Langeweile einen besonderen Platz in deinem Leben einräumst, wird dein weiterer Lebensweg wieder bunt und erfüllt sein. Eintönigkeit und Niedergeschlagenheit gehören damit der Vergangenheit an. Nichts und niemand ist wirklich langweilig, ist ab sofort dein Credo. Und drängen doch mal Stunden der Lethargie in dein Leben, erträgst du sie besser mit dem Wissen, dass es sich lediglich um eine vorübergehende Sinnesempfindung handelt.



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